Zurückvom 14. bis 24. Juli 2006

Kriegsgräberfürsorge in Orastie / Broos

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Reise in Partnerstadt Orastie - Herrichtung der dortigen Kriegsgräber deutscher Soldaten

  Bericht über die Herrichtung der Kriegsgräber deutscher Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg auf dem Friedhof der deutschen evangelischen Gemeinde in Orastie / Rumänien (dt. Broos, Siebenbürgen) durch eine Gemeinschaftsaktion von Jugendlichen aus Helmstedt und Orastie.


Einleitung/ Hintergrund
Im Frühjahr des Jahres 2003 begaben sich Mitglieder der Kirchengemeinde St. Petri zu Emmerstedt nach Broos (Orastie) in Siebenbürgen/ Rumänien zu einem Besuch der dortigen deutschen evangelischen Kirchengemeinde. Neben Pfarrer Werrer und Kirchenvorstand Udo Lautenschläger waren auch deren Ehepartner und der Ortsbürgermeister von Emmerstedt Hans-Jürgen Schünemann zu diesem Informationsaustausch gereist. Unter anderem wurde auch der dortige Friedhof der Gemeinde besucht. Durch dìe Brooser Gastgeber wurde auf Soldatengräber aus dem 2. Weltkrieg hingewiesen. Es handelt sich um 17 Grabstätten von deutschen Soldaten, die durch einen Flugzeugabsturz in der Nähe von Orastie (Broos) ums Leben kamen und auf dem dortigen Friedhof beerdigt wurden. Leider fanden wir die Gräber in einem nicht gerade schönen Zustand vor.

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Soldatengräber vorgefunden

Vor Ort wurde vereinbart, dass sich der Ortsbürgermeister mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Verbindung setzen sollte, um Möglichkeiten einer Wiederherrichtung dieser Grabstätte zu prüfen. Es wurde Kontakt mit dem Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes in Braunschweig, Herrn Breithaupt, aufgenommen. Nach eingehender Schilderung und Berichterstattung setzte sich Herr Breithaupt für einen Zuschuss im Rahmen einer Jugendmaßnahme für die Herrichtung der Gräber in Höhe von 400,-- ein. Der Grundstock war gelegt. Die Jugendlichen sollten aus der Gemeinden Emmerstedt und Broos für diese Maßnahme gewonnen werden.

Durchführung der Maßnahme
Nach einigen Monaten der Vorbereitung durch die Kirchengemeinden Broos und Emmerstedt sowie dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge konnte der Termin für die Herrichtung der Soldatengräber festgelegt werden. Dieser sollte vom 14. bis 24. Juli 2006 sein und mit einem Kleinbus durchgeführt werden. Sechs bis sieben Jugendliche aus Emmerstedt sollten auf die gleiche Anzahl gleichaltriger aus Orastie treffen. Leider klappte es nicht mit einem entsprechenden Bus. Kurzfristig und kostengünstig konnte vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ein kleineres Fahrzeug organisiert werden.
Mit der finanziellen Unterstützung durch den Partnerschaftsverein Helmstedt, der Kirchengemeinde Emmerstedt sowie dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde die Reise von vier Jugendlichen und zwei Betreuern nach Orastie ermöglicht.

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Die Reisegruppe vor der Abfahrt am Pfarrhaus Emmerstedt: von links: Werner Menzel, Städtebeauftragter Dr. E. Beichler, Mayte Palme, Clemens Schünemann, Jonas Brandt, Patrick Görgner, Vorsitzender HPV Hans-Otto Kieschke, Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Schünemann

Am Freitag, dem 14. Juli 2006 um 14.20 Uhr ging die fast achtzehnstündige Reise nach Orastie los. Die Jugendlichen waren durch das Ungewisse und Neue, was auf sie zu kommen sollte, sehr aufgeregt und gespannt. Wo werde ich untergebracht? Wie sieht es in Rumänien aus? Was kommt alles auf mich zu? Fragen die durch die Begleiter beantwortet werden konnten. Trotzdem blieb doch ein Stück Unbehagen zurück.
Zweifel die sich am nächsten Tag zerstreuen sollten. Frühstück in Rumänien bei Mc Donalds. Anschließend Ankunft in Orastie. 1380 Km Fahrstrecke liegen hinter uns. Der Bus aus Helmstedt wird bereits erwartet. Ein gewohnter Empfang für die Begleiter. Für die Jugendlichen ein herzlicher, für sie fast ungewohnter Empfang. Jugendliche im gleichen Alter empfangen ihre Gäste und das zum allgemeinen Erstaunen in deutscher Sprache. Hervorragende Voraussetzungen für das vor uns liegende Projekt. Nach dem "Beschnuppern" trafen wir uns am Abend zur gemeinsamen Besprechung. Die Jugendlichen aus Orastie und Helmstedt hatten sich schnell angefreundet und wollten nun auch schnell gemeinsam handeln. Schließlich könnte man gemeinsam noch vieles Andere zusammen tun. Am Sonntag wurde eine Besichtung der Gräber vorgenommen.
Schnell erkannt wurde was zu tun ist. Für die nächsten Tage liegt einiges an Arbeit für uns an. Zunächst sollte einmal das Gras gemäht werden, um zu erkennen, wo die Gräber im Einzelnen liegen. So ist es dann auch geschehen. Bei Temperaturen von 36 Grad musste natürlich früh angefangen werden. Nicht unbedingt leicht für Jugendliche um die 16 Jahre. Trotzdem waren alle pünktlich dabei. Auch Unterstützung aus der Kirchengemeinde Broos war gekommen. Mit vereinten Kräften wurde bis zum Mittag viel geschafft.

  Bild vergrößern Das Gras hatte bereits ein Mitglied der Gemeinde gemäht. Also konnte es auch gleich losgehen. Zunächst wurde das Grab eingemessen. Sämtliche Grabstellen wurden markiert. Die Lage der Kreuze genau bestimmt. Durch die Brooser Gemeinde wird eine genaue Zeichnung erstellt. Durch eine beauftragte Firma wurde vor ort das neue Denkmal aus schwarzem Marmor gesetzt. Ein Steinmetz hatte zuvor alle Namen auf die Gedenkplatte geschrieben. Auch eine Zuwegung zum Denkmal aus weißem Marmor wurde durch die Firma geschaffen. Die abgängigen Holzkreuze wurden entfernt. Danach begannen die Helfer mit dem Entfernen der mittlerweile viel zu großen und nicht mehr schön anzusehenden Lebensbäume. Wie sich herausstellte war es nicht gerade leichte Arbeit.
Selbst ein Schlangennest wurde hierbei gefunden. Natürlich war die Aufregung groß. Wo kann man in Deutschland schon mal ein Schlangenetz sehen. Die Rumänen waren eher ruhig. Handelte es sich doch nur um Blindschleichen.

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Unter einem Lebensbaum war ein Schlangenest zu sehen

Nach dem die Bäume ausgerissen waren, wurde die Umrandung der Kriegsgräber gesäubert. Die Reste zusammen gekehrt und das gesamte Grab geharkt. Die Firma war zwischenzeitlich mit dem Aufstellen des Denkmals fertigt.

Die Jugendlichen waren mit Eifer und Elan bei der Sache. Die Arbeiten fanden ihren Abschluss. Ein gemeinsames Werk zwischen Jugendlichen aus Deutschland und Rumänien war vollbracht.

Am Sonntag, 23. Juli 2006 erfolgte die offizielle Einweihung des Denkmals mit der anwesenden Gemeinde aus Broos.

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Die Gemeinde vor dem Denkmal

 Bild vergrößern Der dortige Pfarrer hielt einen Rückblick über die Geschichte und das Zustandekommen der vorhandenen Kriegsgräber. Durch den Kirchenvorsteher Werner Herold wurde Dank und Anerkennung für die geleistet Arbeit und für die Unterstützung aus Deutschland während seiner Ansprache hervorgehoben. Ortsbürgermeister Schünemann betonte die Wichtigkeit von solchen gemeinsamen Arbeitseinsätzen, gerade von Jugendlichen aus beiden Ländern. Nur durch gegenseitiges Kennen und Schätzen lernen, können kriegerische Auseinandersetzungen zukünftig vermieden werden.
Der Gedenkstein mit allen Namen der gefallenen Soldaten wurde feierlich enthüllt.
Durch die deutschen und rumänischen Jugendlichen wurden anschließend Kränze niedergelegt und an die Opfer des 2. Weltkrieges gedacht.
Mit den Verantwortlichen vor Ort wurde vereinbart, die Grabstelle zukünftig pflegeleichter zu gestalten. Dazu soll es einen weiteren Einsatz geben. Die Grabstelle soll mit weißen Steinen ausgelegt und am Rand bepflanzt werden. Die hierzu benötigten Mittel belaufen sich auf ca. 300,-- . Es soll versucht werden, hierfür Spender zu gewinnen bzw. einen Zuschuss zu beantragen.

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Die Namen der gefallenen Soldaten

Weitere Aktivitäten
Gleich am ersten Tag hatten sich die Jugendlichen mit ihren Gastgebern aus der Partnerstadt Orastie sehr gut verstanden. Es kam sofort ein Gemeinschaftsgefühl auf. Am Samstag unternahmen sie gemeinsam einen Stadtbummel. Hier wurden ihnen die Sehenswürdigkeiten der Stadt und die Treffpunkte der dortigen Jugend gezeigt. Natürlich gehörte abends auch ein Discobesuch dazu. Den Sonntag verbrachten alle im neuen Freibad der Stadt, dass von einem Privatunternehmer gebaut und unterhalten wird. Montag und Dienstag waren "Arbeitstage" auf dem Friedhof. Gemeinsam schafften sie viel und waren anschließend auch Stolz ihre gemeinsame Leistung. Wenn man im "Land der Vampire" zu gast ist, liegt natürlich die Frage nach dem berühmten "Dracula" ziemlich nahe. Und ob sie das Draculaschloss besuchen können. Also wurde eine gemeinsame Herrmannstadt (Sibiu) und Kronstadt (Brasov) geplant. In der Nähe von Kronstadt liegt eines der Schlösser des Grafen Dracula.
In Herrmannstadt wurde die Altstadt besichtigt, die voll im Zeichen von Bauarbeiten steht. Es geht schnell voran, da die Arbeiten bis 2007 zu den Feierlichkeiten der Kulturhauptstadt beendet sein müssen.

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Herrmannstadt: Marktplatz mit neuem Rathaus und Brückenthal-Museum

Der dortige deutsche Bürgermeister Klaus Johannis hat noch viel vor mit seiner Heimatstadt. Eines der Wahrzeichen Stadttor und die sogenannte "Lügenbrücke" werden gerade restauriert. Natürlich blieb noch etwas Zeit, um sich die Stadt anzusehen und einzukaufen.

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Herrmannstadt: Stadttor und die sogenannte "Lügenbrücke"

Ein weiterer Höhepunkt war der besuch des Bulersee im Forgaraschgebirge. Dieser See liegt in ca. 2000 Meter Höhe und ist nur über eine Passstraße in den Monaten Juni und Juli zu erreichen. Hier lag sogar im Juli noch Schnee.

Einmalig fanden die Jugendlichen auch die Bergwelt im Forgaraschgebirge. Manchen wurde schon mulmig bei den engen Durchfahrten. Weiter ging es nach Kronstadt und dem lang ersehnten "Draculaschloss" in Bran. Eine Besichtigung der erwürdigen Mauern begeisterte die Jugendlichen. Von hier aus hat man eine hervorragende Sicht in die benachbarte "Walachei". Das Schloss Bran diente damals zum Schutz vor den einfallenden Türken und als Zollstelle zur Walachei. Den Jugendlichen war unter dem begriff Walachei etwas anderes bekannt!

Am Freitag waren wir beim Vizebürgermeister und der Feuerwehr der Stadt Orastie eingeladen. Sie hatten uns zum Essen in einen Stützpunkt in der Nähe von Orastie am Fuße der Karpaten eingeladen.

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Einladung bei der Feuerwehr

Reichlich Essen und Trinken wurde aufgeboten. Den Jugendlichen hat es besonders gefallen, weil es die Möglichkeit zum Angeln am eigenen Fischteich sowie zum Baden gab. Selbst der Kreisbrandmeister und sein Vertreter waren extra aus der Kreisstadt Deva angereist.

Gemeinsam mit den rumänischen Jugendlichen und den Gasteltern wurde eine Einladung der deutschen evangelischen Kirchengemeinde Broos am Abend angenommen.

Am Samstag nutzen die Jugendlichen gemeinsam die Möglichkeit auf dem Wochenendgrundstück von Gasteltern die Möglichkeit zu baden. Durch die Frau des Hauses wurde sie sehr gut gewirtet und fanden kaum den Weg nach Hause.

Am Sonntag war ein Gottesdienstbesuch auf dem Programm. Für die Jugendlichen eigentlich ungewohnt. Muss man ja in Deutschland nicht unbedingt haben. Überrascht waren sie dann doch, als der Gottesdienst in deutscher Sprache gehalten wurde. Nach dem Gottesdienst erfolgte die Einweihung des Denkmals mit Kranzniederlegung auf dem Friedhof. Der Nachmittag wurde im nahen Schwimmbad "Gheorgue Bai" verbracht. Das Schwimmbad wird aus einer warmen Bergquelle gespeist und verursacht bei konstanter Temperatur von 29 Grad wenig Unterhaltungskosten.
Für Montag war die Abreise geplant. Um 08,30 Uhr Ortszeit (OESZ) starteten wir Richtung Deutschland. Der Abschied war schwer. Hatte man doch hier wie dort neue Freunde gefunden. Unsere Jugendlichen aus Helmstedt wären gern noch etwas länger geblieben. Leider waren die zehn tage zu schnell vorbei. Gegeneinladungen wurden von unseren Jugendlichen ausgesprochen. Auf jeden Fall steht schon heute fest, dass die Helmstedter wieder nach Orastie fahren wollen. Am liebsten schon bald! Durch die Unterstützung des HPV, der Kirchengemeinde Emmerstedt sowie dem ASB war diese einmalige und lehrreiche fahrt ermöglicht worden. Die Jugendlichen danken herzlich dafür.

Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Schünemann



  Info über Orastie / Broos


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